Rückzug oder Kapitulation?
Der Weg ins Wochenende gleicht manchmal einem Minenfeld. Diese Gefahr nimmt durch meine intensive Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht gerade ab, im Gegenteil. Es ist ziemlich schwer, die gute Laune aufrecht zu erhalten, wenn man schon beim Einsteigen in die U-Bahn vom lautstarken Gezeter einer jungen Dame begrüßt wird, die ihren “Macker” gerade zur Schnecke macht.
Müsste ich die Reaktion des Kerls mit einem Wort umschreiben, fiele mir auf die Schnelle nur die englische Vokabel grunt ein. Diese eignet sich besonders durch ihre Mehrdeutigkeit; unter anderem ist hier ein tiefer, gutturaler Ton gemeint, zum anderen kann das Wort auch umgangssprachlich für den einfachen Soldaten der Infanterie genutzt werden: gutmütig und eher von schlichter Natur, und vor allem – beliebig austauschbar.
Die Peinlichkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben, ebenso die Kapitulation vor dem Redeschwall seiner Lebensabschnittsgefährtin. Nichtsdestotrotz hatte er sich auf das einzige Gebiet zurückgezogen, das er augenscheinlich blind beherrschte: sich selbst in eine lässige Pose zu werfen, den letzten Rest seiner “Coolness” zu wahren, die gerade den Bach hinunterging. So waren beide gefangen – sie in ihrer Rage, er in seiner verzweifelten Checker-Pose.
Glücklicherweise musste ich dieses Leid nur für fünf Minuten ertragen. Ein Umstieg in eine andere Linie hat mir das letzte Stück Vorfreude aufs Wochenende gerettet.





