Rückzug oder Kapitulation?

Der Weg ins Wochenende gleicht manchmal einem Minenfeld. Diese Gefahr nimmt durch meine intensive Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nicht gerade ab, im Gegenteil. Es ist ziemlich schwer, die gute Laune aufrecht zu erhalten, wenn man schon beim Einsteigen in die U-Bahn vom lautstarken Gezeter einer jungen Dame begrüßt wird, die ihren “Macker” gerade zur Schnecke macht.

Müsste ich die Reaktion des Kerls mit einem Wort umschreiben, fiele mir auf die Schnelle nur die englische Vokabel grunt ein. Diese eignet sich besonders durch ihre Mehrdeutigkeit; unter anderem ist hier ein tiefer, gutturaler Ton gemeint, zum anderen kann das Wort auch umgangssprachlich für den einfachen Soldaten der Infanterie genutzt werden: gutmütig und eher von schlichter Natur, und vor allem – beliebig austauschbar.

Die Peinlichkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben, ebenso die Kapitulation vor dem Redeschwall seiner Lebensabschnittsgefährtin. Nichtsdestotrotz hatte er sich auf das einzige Gebiet zurückgezogen, das er augenscheinlich blind beherrschte: sich selbst in eine lässige Pose zu werfen, den letzten Rest seiner “Coolness” zu wahren, die gerade den Bach hinunterging. So waren beide gefangen – sie in ihrer Rage, er in seiner verzweifelten Checker-Pose.

Glücklicherweise musste ich dieses Leid nur für fünf Minuten ertragen. Ein Umstieg in eine andere Linie hat mir das letzte Stück Vorfreude aufs Wochenende gerettet.

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Tagtraum am Bahnsteig

“Bitte von der Bahnsteigkante zurücktreten, ein Zug fährt durch.”

Diese Durchsage ist mir als Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel durchaus geläufig. Minuten später fegt meist ein ICE oder Güterzug an mir vorbei und zieht eine enorme Wirbelschleppe hinter sich her. Nicht so heute morgen.

Weit entfernt stieg eine grauschwarze Rauchsäule empor, die sich gemächlich näherte. Schließlich schnaufte eine Dampflok heran, deren angehängte Personenwagen ein ebenso hohes Alter vorzuweisen hatten wie die Zugmaschine. Messingbeschläge an Tür- und Fensterrahmen funkelten im Licht der Morgensonne, und der Lokführer zog mit breitem Grinsen an der Signalpfeife.

Leider verschwand dieses Schmuckstück viel zu schnell hinter der nächsten Kurve, und als ich aus meiner Trance wieder zurück in die Gegenwart fand, war auch auf den Gesichtern meiner Mitreisenden ein verklärtes Lächeln zu sehen.

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Alle Jahre wieder…

Ich bin ja der Letzte, der vergnügungssüchtigen Rheinländern ihren Spaß mißgönnen würde. Der morgigen Großveranstaltung könnte sogar ich etwas abgewinnen, allerdings stehen dem ungetrübten Genuß der pyrotechnischen Darbietung zwei gravierende Hindernisse im Weg: Alkohol und die hiesige Jugend. Nicht nur, daß der Jungspund von heute seinen Bedarf an berauschenden Flüssigkeiten auf bemerkenswert unkreative Weise zu decken versucht (as seen in your local $name_of_supermarket), er tut dies auch noch in absolut wahnwitzigen Dosierungen.

Die Kollateralschäden der Raubzüge, deren Ausbeute natürlich besonders während der hiesigen Volksbelustigungsereignisse auf Rekordniveau steigt, dürfen dann sowohl von den Rettungskräften als auch der Feuerwehr gesammelt, katalogisiert und zwischengelagert werden, bevor man sie dann an die nächste freie Verladestation liefert.

Hat man dann nach Mitternacht auch die Vollhonkparade der letzten Nachzügler überstanden, die sich mehr oder weniger zielgerichtet im Kriechgang nach Hause begibt, bedarf es eines äußerst starken Vertrauens in die Zukunft, um nicht einer tiefen Resignation über den Zustand des Nachwuchses anheimzufallen.

In diesem Sinne: viel Spaß bei der morgigen Lightshow.

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Luke, ich bin dein Vater!

Nach nunmehr anderthalb Monaten darf ich mich offiziell “Atemschutzgeräteträger” nennen. Endlich. Willkommen auf der dunklen Seite der Macht…

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